Alles sofort und gleich: Präkrastination

Der österreichische Wirtschaftspsychologe Franz J. Schaudy weist auf ein Problem hin: die Beeinträchtigung des Privatlebens durch eine zunehmende Präkrastination im Beruf.

„Es gibt heute in der Arbeitswelt einen wachsenden Druck“, erläutert der Coach und Berater „alles sofort und ohne Aufschub erledigen zu müssen. Diese Forderung setzt sich in den Köpfen der Menschen fest und wird immer häufiger widerspruchslos hingenommen. Aus Angst, den Anforderungen nicht zu entsprechen und dadurch in der Karriere steckenzubleiben oder gar den Job zu verlieren, sind viele Berufstätige dazu bereit, in der Art vorauseilendem Gehorsam alle Aufgaben möglichst schnell abzuarbeiten und nichts liegenzulassen.“

Gestörte Work-Life-Balance

Die internalisierte Haltung des Alles-so-schnell-wie-möglich-Erledigens reduziere nicht nur die Qualität der Arbeit, warnt der Psychologe, sondern führe auch zu einer nachhaltigen Störung des Lebensgleichgewichts. „Ich sehe einen kausalen Zusammenhang zwischen zunehmender Präkastrination im Beruf und Prokastrination im Privatleben. Während bei der Arbeit alles so schnell wie möglich erledigt wird, belieben private Angelegenheiten, Tätigkeiten und Wünsche liegen oder werden immer weiter verschoben.“

Das Privatleben aufschieben

Schaudy schildert das Beispiel eines Klienten, eines Abteilungsleiters von Mitte 40, der als äußerst pflichtbewusst und verlässlich gilt. Er arbeitet immer alles sehr schnell, fast hyperaktiv ab und ist mit seinen Aufgaben am liebsten ein paar Wochen vor der Deadline fertig. Dem zwanghaften Erledigen im Beruf steht ein ebenso zwanghaftes Nichterledigen im Privaten gegenüber. Er kommt zu Theateraufführungen seiner Tochter und zu Verabredungen mit Freunden zu spät, abends setzt er sich an den häuslichen Schreibtisch um zu arbeiten und schiebt das Zu-Bett-Gehen immer weiter auf (bedtime procrastination).

Berufs- und Privatleben neu ausrichten

Wenn Betroffene in seine Praxis kämen, sei der Leidensdruck meist schon sehr hoch, und es zeigten sich Zeichen von Überlastung, Ängsten und Depressionen. Schaudys Ziel ist dann, gemeinsam mit dem Klienten tiefergehende Einsichts- und Veränderungsprozesse einzuleiten. Die Betroffenen blendeten beispielsweise oft völlig aus, dass, wenn sie abends schnell noch eine berufliche Aufgabe erledigten, private Aktivitäten – mit den Kindern spielen, Freunde besuchen oder ausreichend schlafen – auf der Strecke bleiben. „Sie müssen ihr Berufs- und Privatleben neu ausrichten. Nur so kann sich die Lebensbalance längerfristig wieder einpendeln.“

Lesen Sie den ausführlichen Artikel zum Thema hier: https://www.psychologie-heute.de/leben/39610-immer-alles-sofort.html 

Franz Schaudy ist Coach und Berater bei HILL International.

HILL International Headquarters
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